
Friedel
Bohny-Reiter
Camp de Rivesaltes
Tagebuch einer Schweizer Schwester im
französischen Internierungslager
Rivesaltes 1941-1942
Vorwort von Margot Wicki-Schwarzschild
Einleitung von Michèle Fleury-Seemuller
Bearbeitet von Helena Kanyar-Becker
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
1. Aufl. 2010; 246 Seiten, davon 36 Farbseiten.
€ 14,80, CHF 24,80.
ISBN 3-86628-291-5, 978-3-86628-291-9
Aus der
Einleitung von Michèle
Fleury-Seemuller
Zeichen
der Hoffnung
Fast
fünfzig Jahre lang blieb das Tagebuch von Friedel Bohny-Reiter in der Schublade
liegen. Als ich mir bewußt wurde, daß es verschwinden könnte und man nie davon
erfahren würde, daß eine junge Schweizer Frau 1942 in einem Interniertenlager
im Süden Frankreichs als Krankenschwester gearbeitet hat, wollte ich sie
kennenlernen. Ich besuchte sie in Basel, wo sie seit vielen Jahren mit ihrem
Mann wohnt, den sie seinerzeit in Frankreich kennenlernte. Sie ist achtzig
Jahre alt und malt - viele Landschaften, die Wüste Algeriens, die Camargue,
Erinnerungen ihrer zahlreichen Reisen - und heute noch Bilder vom Lager in
Rivesaltes. Sie schreibt weiter in ihrem Tagebuch, wie sie es seit ihrer Jugend
tut.
Sie vertraute mir zwei dicke Schulhefte an,
ein blaues und ein braunes. Das erste beginnt mit einer Notiz vom 6. Juli 1940
in Florenz, wo Friedel als Kinderschwester in einer italienischen Familie
arbeitete und endet mit dem 13. Dezember 1941 im Interniertenlager in
Rivesaltes. Das andere, viel dicker, handelt fast ausschließlich von ihrer
Arbeit im Lager bis zu dessen Schließung Ende 1942.
Ich war tief berührt, als ich diese Hefte
las. In meiner Hand war ein Dokument, das von einer schrecklichen Zeit sprach.
Tag für Tag notiert Friedel das Leiden der Internierten - ihren Kampf gegen
Krankheit, Schmutz, Unterernährung und vom August 1942 an gegen den Abtransport
der Juden - Männer, Frauen und Kinder -, der in die Todeslager führte. Zugleich
entdeckte ich in der Autorin eine junge Frau, die nicht aufhörte, in diesem
Elend ein Zeichen der Hoffnung zu suchen, die sich über einen Strauß
Papierblumen freute, den ihr ein Kind hingestreckt hatte, über einen
Sonnenaufgang, über Hündchen, die im Lager geboren werden.
Als die Spannungen am größten waren, lernte
sie August Bohny kennen, ihren künftigen Mann, der in Chambon-sur-Lignon für
die Heime der Kinderhilfe verantwortlich war.
Es handelt sich also um ein richtiges
Tagebuch, worin man alles niederschreibt, ein Tagebuch einer erstaunlichen
Frau, die sich in einer außergewöhnlichen Situation befand.
Je weiter mich meine Lektüre führte, desto
dringender schien es mir, diese Geschichte mit anderen teilen zu müssen.
Friedel Bohny-Reiter zögerte lange, ihr Einverständnis zur Veröffentlichung zu
geben. Sie zweifelte daran, daß ihr altes Tagebuch für andere interessant sein
könnte; sie fand es zu persönlich, zu sehr von persönlichen Empfindungen
geprägt. Schließlich stimmte sie der Publikation mit einigen wenigen Kürzungen
zu.
Das Buch erschien zuerst in einer
französischen Übersetzung, weil sich das Geschehen in Frankreich abspielte. Bei
einem solchen historischen Dokument sind sprachliche oder geographische Grenzen
nicht vorrangig.
Weitere Buchtitel zu Schicksalen
in Frankreich herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
August Bohny
Zivildienst,
Schweizer Kinderhilfe
und das Rote Kreuz in Südfrankreich
1941-1945
Vorwort von
Margot Wicki-Schwarzschild
Bearbeitet und eingeleitet von Helena Kanyar Becker
1. Aufl.
2009; 164 Seiten. EUR 14,80.
ISBN 3-86628-278-8, 978-3-86628-278-0
Louis Dreyfuss,
Emigration nur ein Wort?
Ein jüdisches Überlebensschicksal
[aus Breisach am Rhein] in Frankreich
1933-1945.
Konstanz 1991, 148 Seiten, ISBN 3-89191-399-0 (vergriffen)
Dorothee
Freudenberg-Hübner u.
Erhard Roy Wiehn (Hg.),
Abgeschoben - Jüdische Schicksale aus
Freiburg
1940-1942. Briefe der Geschwister Liefmann aus Gurs
und Morlaas an Adolf Freudenberg in Genf.
Konstanz 1993, 213 Seiten, 19,43 €. ISBN 3-89191-665-5
Manfred Wildmann u. Erhard
Roy Wiehn (Hg.),
Und flehentlich gesegnet -
Briefe der Familie Wildmann aus
Rivesaltes und Perpignan.
Jüdische Schicksale aus Philippsburg 1941-1943.
Mit einem Vorwort von Margot Wicki-Schwarzschild.
Konstanz 1997, 204 Seiten, 20,35 €. ISBN 3-89649-067-2
Konrad
Görg
Wir
sind, was wir erinnern.
Zwei
Generationen nach Auschwitz.
Stimmen gegen das Vergessen.
In Erinnerung an Erwin Katz
Vorwort von Erhard Roy Wiehn
Geleitwort von Eberhard-Horst Richter
2..
Aufl. 2009. 110 Seiten. € 9,95. ISBN 3-86628-208-7
DVD zum Camp de Gurs
Jürgen Enders (Regisseur),
Nach
dem Dunkel kommt das Licht
Berichte vom Leben und Überleben in den südfranzösischen Lagern Gurs und
Rivesaltes
Drei Schicksale * Drei Porträts
Hannelore und Margot
Wicki-Schwarzschild, Paul Niedermann
Dokumentarfilm, 84 min,
Format 16:9, Sprache Deutsch, PAL 2, DVD-Video
Erscheinungsjahr 2011. € 15,00.

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