Hartung-Gorre
Verlag
Inh.: Dr. Renate Gorre D-78465 Konstanz Fon: +49 (0)7533 97227 Fax: +49 (0)7533 97228 www.hartung-gorre.de |
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4. Auflage
August 2010
Die Gailinger Juden
Materialien zur Geschichte
der jüdischen Gemeinde Gailingen
aus ihrer Blütezeit und den Jahren der gewaltsamen Auflösung
Herausgegeben von
Eckhardt Friedrich und Dagmar Schmieder
1. Auflage 1981, 19822,
19873
4. Aufl. 2010. 126 Seiten.
€ 9,80, ISBN 978-3-86628-347-3
Aus der Einleitung von Eckhardt Friedrich und Dagmar Schmieder
Im heutigen Gailingen sind nur
noch tote Zeugen der ehemaligen blühenden jüdischen Gemeinde vorhanden:
Der grosse, am Waldrand
gelegene Friedhof, eine Gedenktafel am Platz der ehemaligen Synagoge, das als Altenpension
jür den Landkreis Konstanz dienende "Friedrichsheim ", das Gebäude des ehemaligen jüdischen Krankenhauses an der Dörfiinger
Strasse, einzelne Patrizierhäuser im alten Ortskern, vor allem in der
Rheinstrasse und eine Gedenktafel im Rathaus, die auf die jüdische Geschichte
der Gemeinde hinweist.
Was ist aus den Menschen
geworden, die in diesen Häusern gewohnt haben, wie haben sie gelebt, wie hat
das Gemeindeleben ausgesehen, als sie noch daran teilnahmen?
Als Neu-Gailinger haben wir 1978 begonnen, diesen Fragen nachzugehen. Wir fragten zunächst die älteren
Einheimischen nach ihren Erinnerungen aus der Zeit des Zusammenlebens mit ihren
jüdischen Nachbarn.
Über die Zeit bis zum Beginn
der Nazi-Ara erhielten wir reichlich Auskunft, wenn aber das Gespräch auf die
Jahre zwischen 1930 und 1940 kam, wurden die Erinnerungen spärlich und die
Erzähllust nahm ab. Uns wurde der Eindruck vermittelt, als sei mit der
Machtergreifung der Nationalsozialisten das Böse wie eine fremde,
unwiderstehliche Macht über das zuvor friedvoll-harmonische Gemeindeleben
hereingebrochen.
In welcher Weise hat sich nun
die nationalsozialistische Judenverfolgung in Gailingen ausgewirkt?
Wir kamen dieser Frage in
entscheidender Weise näher durch unsere Bemühungen, mit Überlebenden der
ehemaligen jüdischen Gemeinde und deren Familienangehörigen in Kontakt zu
kommen. Nicht von ungefähr geschah das über die Gräber des jüdischen
Friedhofes, wo wir vor allem bei der alljährlich eine Woche
vor Beginn des jüdischen Neujahrsfestes stattfindenden Gedenkfeier, unsere
ersten Bekanntschaften machten. Unser Interesse fand freundliche Resonanz und
tatkräftige Unterstützung. Der Friedhof war und ist für die ehemaligen
Gailinger Juden und ihre Angehörigen aus der Schweiz, aus Israel, den USA und anderen
Ländern meist der Bezugspunkt und Anlass zum Besuch der alten Heimat.
Wir möchten uns für die
Offenheit und das Vertrauen bedanken, mit dem uns begegnet wurde. Durch die
Gespräche und anvertrauten schriftlichen Unterlagen in Form von Tagebuch-Aufzeichnungen,
Memoiren und Berichten ist uns ein Stück der deutschen und Gailinger
Vergangenheit greifbarer und realer geworden. Um eine Vorstellung von der
Blütezeit der jüdischen Gemeinde zu bekommen, haben wir uns auch um eine Rekonstruktion
des Gemeindelebens von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bemüht. Ein brauchbares Mittel hierfür schienen uns die
Ortsbereisungs-Protokolle des Bezirksamtes Konstanz zu sein.
Mit der Wiedergabe der
folgenden Dokumente, Photos, Tagebuch-Aufzeichnungen und Berichte hoffen wir,
einen lebendigen und informativen Beitrag zu leisten, durch den sich der Leser
ein Bild vom jüdisch-christlichen Gemeindeleben in der zweiten Hälfte des 19. sowie am Anfang des 20. Jahrhunderts machen kann. Viel liegt uns daran,
den Einfluss und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassenideologie
auf das Alltagsleben der Gailinger Juden sichtbar werden zu lassen, die
Eskalation der Dehumanisierung von zeitweisen oder dauerhaften Einschränkungen
über die Vertreibung bis zu Deportation und Mord.
Weitere
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Wie hat das geschehen können -
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