Neuerscheinung April 2010

Raffael Wieler-Bloch
Konstanz 2010; 260 Seiten, EUR
24,80.
ISBN 3-86628-300-8, 978-3-86628-300-8
Aus
dem Nachwort des
Herausgebers Erhard Roy Wiehn:
Eine verdichtete Familiensaga
Raffael
Wieler-Bloch hat als Angehöriger der Großfamilie Wieler gewissermaßen von innen
Leben und Lebensleistung dieses bedeutenden Mannes in einer besonders
einfühlsamen und liebevollen Weise nachgezeichnet wie in einer Art Fachwerkbau:
Zwischen dem hand- und standfesten Balkengerüst der objektiven Daten und Fakten
hat er feinfühlig, geistreich, lustig, spannend, subtil, traurig, witzig
verdichtete Zeilenwerke ein-gefügt, welche die damalige Wirklichkeit des
Familienlebens der Liebermanns so realistisch beschreiben, wie es hätte gewesen
sein können.
Zwar
war Richard Liebermann auch schon vor dem vorliegenden Buch vor dem Schicksal
bewahrt geblieben, ein völlig vergessener Künstler zu werden. Gernot Römer hat
ihn bereits 1995 erwähnt, und zwar in: „Ein fast normales Leben, Erinnerungen
an die jüdischen Gemeinden Schwabens, Ausstellung in Augsburg, Lebensgeschichte
und Bilder zu Richard Liebermann“.
Zu erinnern ist auch an die
wohl erste große, 35 Jahre nach seinem Tod aber keinesfalls verfrühte
Ausstellung: „Spurensuche: Richard Liebermann 1900-1966. Lebenslinien eines
gehörlosen jüdischen Künstlers. Edmund Scharff Museum Neu-Ulm, 9. November 2001
– 3. Februar 2002“. Der Bayerische Rundfunk brachte am 9. Dezember 2001 die
Sendung „Sehen statt hören" (Deutsche Gesellschaft zur Förderung der
Gehörlosen und Schwerhörigen e.V.) über Richard Liebermann, dessen Daten
inzwischen auch im Internet präsent sind.
Es
ist ein Werk von starker Erzähl- und Darstellungskraft, und mit der
berührenden, beglückenden, tragischen, traurigen, unheimlich verdichteten
Familiensaga „Richard Liebermann
– Der gehörlose Porträt- und Landschaftsmaler 1900-1966“ ist dem Autor zweifellos ein exzellenter
Wurf gelungen - und nicht zuletzt eine liebevolle, opulente, substanzielle
Hommage an einen unvergessenen und unvergesslichen Künstler.
Buchrezension
in:
Augsburger Allgemeine Nr. 119 vom
27. Mai 2010, Seite 12
Biografie und Familiensaga
Erinnerung an den
jüdischen Maler Richard Liebermann aus Neu-Ulm
von GERNOT RÖMER
2001 hat das Edwin-Scharff-Museum
in Neu-Ulm mit einer großartigen und umfangreichen Ausstellung an den Maler
Richard Liebermann erinnert. Auch im Ulmer Museum sowie im Jüdischen
Kulturmuseum Augsburg waren schon Bilder des aus Neu-Ulm stammenden taubstummen
Künstlers zu sehen. Nun gibt es auch ein Buch über ihn.
Autor Raffael Wieler-Bloch
ist ein nachgeborener Verwandter des zu Unrecht fast vergessenen Malers; er
lebt im schweizerischen Basel. Richard Liebermanns Mutter Hedwig war eine
geborene Wieler aus Konstanz. Um die Wende zum 20. Jahrtausend hält der aus
Ichenhausen stammende und in Neu-Ulm lebende Hopfenhändler Heinrich Liebermann
um ihre Hand an.
Möglicherweise lockt ihn die Aussicht auf eine zu
erwartende hohe Mitgift. Die gibt es in der Tat. Sie besteht aus einer
großartigen Aussteuer und 35000 Mark in bar. 1897 wird Hochzeit gehalten, doch
wird die Ehe nicht sehr glücklich. Vier Kinder werden den Liebermanns geboren,
drei Buben, ein Mädchen. Sohn Richard ist taubstumm. Seine Schwester Hedwig
wird ihn durchs Leben geleiten.
Richard besucht die
Königliche Taubstummenanstalt in München. Wenn die anderen Schützlinge spielen,
zeichnet und malt er, malt und malt. Als er zwölf Jahre alt ist, sorgen
Zeichnungen von ihm bei Kunstkennern bereits für Aufsehen. "Sie werden es
kaum glauben ... , der Kerl ist erst zwölf Jahre alt!", zitiert Autor
Wieler-Bloch einen Kunstkenner, und der Leser des Buchs fragt sich, woher er
das und vieles andere wissen kann …
Erhard Roy Wiehn,
angesehener Historiker und Soziologe an der Universität Konstanz, bezeichnet in
einem Nachwort Wieler-Blochs Liebermann-Buch als eine Familiensaga. In der Tat
ist das keine nüchterne Biografie, sondern eine vom Autor eingeräumte Mischung
aus Wahrheit und Dichtung.
Im Wieler'schen
Familienarchiv hat der Autor Briefwechsel zwischen den Liebermanns in Neu-Ulm
und den Wielers in Konstanz gefunden. Die bezeugen etwa die prekäre finanzielle
Lage der Familie Liebermann und auch den schwierigen Charakter Heinrich
Liebermanns. Raffael Wieler-Bloch hat auch in anderen Archiven geforscht. In
den Akten der Münchner Kunstakademie suchte er nach Spuren aus Richard
Liebermanns Studienjahren von 1928-1930; und er kannte Gertrud Liebermann, die
unzertrennliche Schwester des Malers noch.
Wie Vater Heinrich sowie die Brüder Richard und Paul
und viele andere badische Juden wurde sie im sogenannten III. Reich ins
Konzentrationslager Gurs in Frankreich deportiert. Der Vater ist im KZ
gestorben; Paul, Richard und Gertrud überlebten, kehrten aber nicht nach
Deutschland zurück. Bis zu seinem Tod 1966 im französischen Städtchen St.
Rambert hat sie selbstlos für Richard gesorgt. Viele Bilder hat der
unermüdliche Maler dort hinterlassen. Sein letzter Lebensabschnitt war
überschattet von der Parkinson'schen Krankheit.
Hartung-Gorre Verlag / Säntisblick 26 / D-78465 Konstanz
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Bücher aus der Edition Schoáh & Judaica zur
Bodenseeregion
Herausgegeben
von Erhard Roy Wiehn
Raffael
Wieler-Bloch
Eine
Familiensaga aus der Provinz Posen sowie Chemnitz
und in der deutsch-schweizerischen Bodenseeregion
Herausgegeben
von Erhard Roy Wiehn
Konstanz 1. Aufl. 2008; 155 Seiten, EUR 16,00.
ISBN 3-86628-226-5, 978-3-86628-226-1
Hans-Hermann
Seiffert,
In Argentinien gerettet - in Auschwitz
ermordet.
Die Schicksale der jüdischen Familien Salomon Guggenheim
aus Konstanz und Abraham Guggenheim aus Donaueschingen 1933-1942.
Konstanz 1. Aufl. 2010, 114 Seiten, zahlreiche Fotos und Dokumente. € 14,80.
ISBN 978-3-86628-312-1 u. 3-86628-312-1
Erhard
Roy Wiehn (Hg.),
Camp de Gurs.
Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940
Erweiterte Neuaufl. 2010, 200 Seiten, 18,00 €.
ISBN 3-86628-304-0 und 978-3-86628-304-6
Erhard
Roy Wiehn (Hg.)
OKTOBERDEPORTATION 1940.
Die sogenannte
'Abschiebung' der badischen und saarpfälzischen Juden in das französische
Internierungslager Gurs als Vorstation von Auschwitz. 50 Jahre danach zum
Gedenken
Konstanz
1. Aufl.1990, 1016 Seiten, € 34,77. ISBN
3-89191-332-X
Erhard
Roy Wiehn,
Zum Reichspogrom 1938
Die Ereignisse in Konstanz 70 Jahre danach zum Gedenken.
Konstanz 1. Aufl. 2008. 156 Seiten. €
14,80. ISBN 3-86628-165-X
Fritz
Ottenheimer
Wie hat das geschehen können?
Von Konstanz in die
USA durch den Krieg und zurück. Jüdische Schicksale 1925-1996
Konstanz
1. Aufl.1996, 230 Seiten, € 20,35. ISBN
3-89649-006-0
Erhard
Roy Wiehn (Hg.)
70 Jahre
Geschichte,
Erinnerungen, Dokumente
1939-2009
1. Aufl. 2009, 208 S.. Softcover: € 14,80, CHF 24,00 ISBN
978-3-86628-271-1
1. Aufl. 2009, 208 S.. Hardcover: € 22,80, CHF 36,00 ISBN
978-3-86628-282-7
Hans-Hermann
Seiffert,
In Argentinien
gerettet - in Auschwitz ermordet.
Die Schicksale der jüdischen Familien Salomon Guggenheim aus Konstanz
und Abraham Guggenheim aus Donaueschingen 1933-1942.
Konstanz 1. Aufl. 2010, 114 Seiten, zahlreiche Fotos und Dokumente. € 14,80.
ISBN 978-3-86628-312-1 u. 3-86628-312-1
Hans-Hermann Seiffert,
Entrechtet
– verschleppt – ermordet (vergriffen,
erw. Neuauflage geplant)
Der Weg der Konstanzer Jüdin Johanna
Hammel
in die Gaskammer von Auschwitz-Birkenau 1898-1942
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
1. Aufl. Konstanz 2007. 56 Seiten. € 9,80. ISBN 3-86628-179-X
Leo
Picard (Ehemaliger
des Humboldt-Gymnasiums Konstanz, damals noch Oberrealschule)
Vom Bodensee nach Erez Israel
Pionierarbeit
für Geologie und Grundwasser seit 1924.
Konstanz
1. Aufl.1996, 290 Seiten, € 19,94. ISBN
3-89191-799-6
Christoph Schwarz
Verfolgte Kinder und Jugendliche
aus Baden-Württemberg 1933-1945
Herausgegeben von Erhard Roy
Wiehn
2007, 262 Seiten, € 14,80. ISBN 3-86628-171-4
Konrad Görg
Wir sind, was wir erinnern.
Zwei Generationen nach
Auschwitz.
Stimmen gegen das Vergessen.
In
Erinnerung an Erwin Katz
Vorwort von Erhard Roy Wiehn
Geleitwort von Horst-Eberhard Richter
1. Aufl. 2008. 98 Seiten.
€ 9,95. ISBN 3-86628-208-7
2. erweiterte Aufl. 2009, 110 Seiten, € 9,95. Selbe
ISBN
DVD
zum Camp de Gurs
Jürgen
Enders (Regisseur),
Nach dem
Dunkel kommt das Licht
Berichte vom Leben und Überleben in den südfranzösischen Lagern Gurs und
Rivesaltes
Drei Schicksale * Drei Porträts
Hannelore und Margot
Wicki-Schwarzschild, Paul Niedermann
Dokumentarfilm, 84 min,
Format 16:9, Sprache Deutsch, PAL 2, DVD-Video
Erscheinungsjahr 2011. € 15,00.
ISBN 978-3-86628-394-7

Hartung-Gorre Verlag / Säntisblick 26 / D-78465 Konstanz
Telefon: +49 (0) 7533 97227
Telefax: +49 (0) 7533 97228