Hartung-Gorre
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Rüdiger
Schell
Das
Zisterzienserinnenkloster
Maria Hof bei Neudingen.
2. Auflage 2026, 1.
Aufl. 2011; 280 Seiten, € 29,80.
ISBN 3-86628-402-0, 978-3-86628-402-9
Als
2008 das Buch von Rüdiger Schell über die Dominikanerinnen im fürstenbergischen
Hauskloster Auf Hof bei Neudingen erschien, stellte der Autor bereits damals die
Fortsetzung der Klostergeschichte nach 1565 - das Kloster dann geführt von
Zisterzienserinnen - in Aussicht. Dieser zweite Teil der Historie liegt nun
vor.
Die
Darstellung zeigt, wie Graf Heinrich VIII. von Fürstenberg nach dem Niedergang
des Dominikanerinnenklosters die Erneuerung des monastischen Lebens in die Wege
leitete, indem er neun aus Lauingen (östlich von Ulm)
geflohenen Zisterzienserinnen erlaubte, sich im Neudinger Kloster
niederzulassen, worauf sich alsbald junge religiöse Frauen aus der Baar der
neuen Gemeinschaft anschlossen. Der Graf erreichte zudem nach zähen
Verhandlungen das Einverständnis des Päpstlichen Stuhles, das Neudinger
Gotteshaus dem Zisterzienserorden anzuvertrauen. Da Papst Gregor XIII. zugleich
dem Kloster Auf Hof das Prädikat "Maria" verlieh, wurde es seit 1584
immer häufiger „Maria Hof“ genannt.
Für
die folgenden rund 200 Jahre beschreibt Schell, der in akribischer Kleinarbeit
Hunderte von Aktenstücken und Urkunden, zudem das Neudinger Anniversar, zwei
dicke Protokollbücher und eine umfangreiche Chronik ausgewertet hat, ein
wechselvolles, zuweilen auch konfliktträchtiges Verhältnis zwischen den zisterziensischen Ordensfrauen und den Grafen und Fürsten
zu Fürstenberg. Deren Beziehungen als Schirm- und Kastvögte
zu ihrem Hauskloster waren nicht mehr so eng wie in früherer Zeit. Der neue
Orden war nämlich gemäß seinen Regeln konsequent bestrebt, sich weltlichen
Einflüssen zu entziehen und wirtschaftlich autark zu bleiben. Die Neudinger
Zisterziensernonnen konnten sich daher bei ihrer ordensgemäßen Haltung stets
des Rückhalts der sie betreuenden Zisterzienserabtei Salem - wie das Haus
Fürstenberg Mitglied im Regenburger Reichstag -
sicher sein.
Eben
deshalb gab es vor allem zwischen 1620 und 1780 immer wieder angespannte
Situationen, die der Verfasser an vielen interessanten Details lebendig werden
lässt. Eben deshalb gab es vor allem zwischen 1620 und 1780 immer wieder
angespannte Situationen, die der Verfasser an vielen interessanten Details
lebendig werden lässt. Berichtet wird u. a. von der Tätigkeit des Advokaten in
fürstenbergischen Diensten, Mathias Tinctorius, der
1632 in Hüfingen als Hexer verbrannt wurde, und über die fast modern zu
nennende ärztliche Versorgung der Nonnen durch den Schaffhauser Arzt Heinrich Screta oder den Streit mit dem Dorfschmied Christoph
Schaller wegen der Einrichtung einer klostereigenen Schmiede.
Schells
zweiter Band der Klostermonographie bietet somit dem lokal- und
territorialgeschichtlich Interessierten eine Lektüre, die lebendig und
anschaulich, aber auch kritisch die Ereignisse des zweiten Teils der Neudinger
Klostergeschichte beleuchtet. Und dabei das Wirken der Zisterzienserinnen in
Gebetsgedenken und Begräbnistradition für das Haus Fürstenberg entsprechend
würdigt.
Stichworte:Kloster, Maria Hof, Hauskloster,
Grafen von Fürstenberg, Fürsten zu Fürstenberg, Donaueschingen,
Klostergeschichte, sakrale Institution Kloster Maria Hof, Neudingen,
Zisterzienserinnenkloster.
Interessenten für: Geschichte,
Regionalgeschichte der Baar, Haus Fürstenberg, Religionswissenschaft,
Theologie, Kirchengeschichte, Soziologie, historische Anthropologie,
Klostergeschichte.
Beachten Sie
bitte auch diesen Titel:
Rüdiger Schell,
Das Dominikanerinnenkloster
Auf
Hof bei Neudingen
als
Hauskloster der Grafen von
Fürstenberg.
3. Aufl. 2009; 320
Seiten, EUR 22,00.
ISBN 978-3-86628-217-9
Buchbesprechung beider Monographien
von Rüdiger Schell über Maria Hof bei Neudingen
in der „Zeitschrift für die Geschichte
des Oberrheins“, Bd. 161 (Neue Folge 122), 2013. Seiten 699-700.
Mit den
beiden 2008 und 2011 erschienenen Monographien legt Rüdiger Schell eine
Klostergeschichte vor, die fast 530 Jahre geistliches Leben in einem
Frauenkonvent auf der Baar dokumentiert. Der erste Band, der die Dissertation
Schells darstellt, betrifft die Zeit von der Gründung Neudingens bis 1559, in
der das Kloster dem Dominikanerorden zugehörte und sich zur Grablege des Hauses
Fürstenberg entwickelte. Nach dem Niedergang des Konvents Mitte des 16.
Jahrhunderts setzte sich dann Graf Heinrich VTTT. Von Fürstenberg für eine
Wiederaufnahme des Klosterlebens ein, die durch die Ansiedlung von
Zisterzienserinnen aus dem Kloster St. Agnes in Lauingen
im Herzogtum PfalzNeuburg erreicht wurde. Der nun
einsetzenden zisterziensischen Zeit bis zur
Säkularisation und dem endgültigen Ende des Klosters durch eine
Brandkatastrophe 1852 widmet sich Schell im zweiten Band.
Beide Bände
zeichnen sich durch eine solide Darstellung auf einer breiten Quellenbasis aus,
die vor allem auf der Auswertung von Urkunden und Akten aus dem Archiv der
Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen beruht. Durch den Fund etwa von acht
Urkunden aus der Zeit von 1518 bis 1545 konnte Schell die früher in der
Forschung vertretene These über eine Aufhebung des Klosterlebens nach 1515 als
unhaltbar zurückweisen. Aussagen über die soziale Zusammensetzung der Konvente
beruhen im Wesentlichen auf der Auswertung des Neudinger Anniversarienbuches,
das in einem handschriftlichen Exemplar im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv
vorliegt und bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts fortgesetzt wurde.
Die beiden
anzuzeigenden Bücher weisen einen ähnlichen Aufbau auf. Darstellende Kapitel
werden durch Quellenauszüge oder Kurzregesten sowie Tabellen und Statistiken
etwa zu den namentlich nachweisbaren Klosterfrauen oder dem männlichen Personal
sowohl in der Zeit der dominikanischen als auch der zisterziensischen
Observanz ergänzt. Während das Zisterzienserinnenkloster der Paternität des
Abtes von Salem unterstand, der sich um die cura monialium kümmerte, wurden die
Dominikanerinnen durch die Rottweiler Prediger aber auch durch Weltgeistliche
betreut. Im sog. Übergabebrief von 1578, mit dem Graf Heinrich VIII. von
Fürstenberg das Kloster Neudingen dem Zisterzienserorden übertrug, erhob er
schwere Vorwürfe gegen die Dominikaner, die ihrer Fürsorgepflicht nicht
nachgekommen seien. 1584 erreichte er schließlich durch die Bulle Gregors XIII.
die Inkorporation in den Zisterzienserorden. Das Engagement der Fürstenberger
hängt damit zusammen, dass sie - wie Schell nachweist - als Mitbegründer des
Frauenklosters gelten können. Die im Anniversarienbuch
als Stifterin genannte domina Agnes identifiziert er mit Agnes von
Fürstenberg, geb. von Truhendingen, deren Gemahl Graf Heinrich von Fürstenberg
ebenso als Förderer des Konvents hervortrat. Dieser geht auf eine lose
Beginensammlung zurück, die 1287 die Augustinerregel annahm und in den Jahren
1305 bis 1307 in den Dominikanerorden inkorporiert wurde. Schell zeichnet die
von Höhen und Tiefen gekennzeichnete Besitzgeschichte – mit Schwerpunkten im
Raum um Neudingen, Pfohren, Hondingen
und Gutmadingen - bis in die Zeit der Reformation
nach, ohne jedoch letztlich erklären zu können, was der Auslöser für den
Niedergang des Klosters im 16. Jahrhundert war, als nur noch zwei Nonnen in
Neudingen lebten. Der Dominikanerinnenkonvent bestand aus 20 bis 45
Klosterfrauen, die zur Hälfte dem landsässigen Adel, zur Hälfte umliegenden
Bürger- und Bauernfamilien entstammten. Aus dem Haus Fürstenberg, das mit 41
Jahrzeitstiftungen hervortrat, sind zwölf Klosterfrauen nachzuweisen. In
Auseinandersetzung mit der neueren Forschung arbeitet Schell heraus, dass
Neudingen als Hauskloster der Fürstenberger angesehen werden kann. 1337
begründete Graf Heinrich II. hier eine Begräbnistradition, die bis ins 21.
Jahrhundert anhält.
Dass die
Beziehungen zum Haus Fürstenberg jedoch zuweilen auch von Konflikten
gekennzeichnet waren, zeigt vor allem die im zweiten Band geschilderte
Geschichte des Zisterzienserinnenkonventes. Der Anspruch auf die Kastvogtei, die die Fürstenberger nicht zuletzt aus ihrem
Engagement zur Wiederbelebung des Konventes ableiteten, erregte immer wieder
Anstoß bei den Salemer Vateräbten, die sich schützend
vor die Nonnen stellten. Während diese weiter das Gebetsgedenken für die
Fürstenberger pflegten, versuchten jene bei jeder Äbtissinnenwahl
ihre Macht auszuspielen. Nicht zurückgezahlte Schulden der Grafenfamilie, die
Kriegseinwirkungen des 17. und 18. Jahrhunderts sowie zwei Brände 1756 und 1761
setzten dem Konvent, in dem nun nur noch 18 bis 20 Frauen meist aus dem
umliegenden Bürger- und Bauerntum lebten, in wirtschaftlicher Hinsicht
besonders zu. Ein angebliches Kreuzbildwunder und die daraus folgende
Einrichtung einer Wallfahrt in das nun "Maria Hof' genannte Kloster unter
dem Vaterabt Angelus IJ. Schwab von Salem führten
noch eine kurze neue Blüte herbei, hevor mit der
Säkularisation 1802/3 das Ende des Klosters auf der Baar besiegelt war. Die
Fürstenberger, die 1806 selbst mediatisiert werden sollten, zogen
das Klostervermögen ein und statteten die noch verbleibenden 18 Konventualinnen
mit Leibrenten aus. Nach einem verheerenden Brand ließen sie 1853 bis 1856 eine
Grabeskirche im Neo-Renaissancestil errichten, um an die im Spätmittelalter
begründete Begräbnistradition des Hausklosters anzuknüpfen, das im ersten Band
eingehend von Schell beschrieben wird. Das Verdienst seines zweiten Bandes
besteht vor allem darin, die Zeit des Zisterzienserinnenkonventes, die bisher
in der Forschung vemachlässigt wurde, aufgearbeitet
zu haben. Dieser Monographie ist ein ähnlicher Erfolg zu wünschen wie der
ersten, die bereits ein Jahr nach ihrem Erscheinen in die dritte Auflage ging.
Maria
Magdalena Rückert
Rüdiger
Schell
Zeitgeschichte
und lokale Entwicklung im 20. Jahrhundert
am Beispiel
des Hüfinger Reichsarbeitsdienstlagers.
1. Auflage
2014. 258 Seiten, zahlr. Fotos und Abb., Format 17 cm x 24 cm.
EUR 24,00.
ISBN 978-3-86628-488-3
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