Klara Strompf

KZ Außenlager Walldorf
Jüdische Frauen aus Ungarn am Flughafen Frankfurt/Main 1944.
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
1. Auflage 2009. 68 Seiten. € 14,80.
ISBN 978-3-86628-155-4 und ISBN 3-86628-155-2

 

Aus dem Vorwort von Cornelia Rühlig

Für Gegenwart und Zukunft

Klara Strompf nennt ihr Buch schlicht KZ Außenlager Walldorf. Darin schildert sie minutiös die jahrelangen Recherchen zur Geschichte des damaligen Frauen-Lagers am Flughafen Frankfurt/Main, eine Erinnerungsarbeit, an der sie selbst seit vielen Jahren mit schier grenzenlosem Engagement teilnimmt. Das Lager Walldorf, ein Außenlager des KZs Natzweiler-Struthof im Elsass, war klein im Vergleich zu Stammlagern wie Auschwitz, Majdanek oder auch Bergen-Belsen. Und doch waren die Inhaftierten als Arbeitssklavinnen hier ebenso rechtlos wie in anderen Lagern, schutzlos ausgeliefert der Mordmaschine des NS-Staates und dem Sadismus der SS.

Etwa 1.700 Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis ca. 40 Jahren wurden im Sommer 1944 von Auschwitz in das KZ-Außenlager Walldorf verbracht, um auf dem nahegelegenen Frankfurter Flughafen eine betonierte Rollbahn zu bauen, die man für den ersten deutschen Düsenjäger brauchte. Es waren ungarische Jüdinnen, die unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeiten verrichten mussten.

Bei Hungerrationen, die kaum zum Überleben reichten, mussten sie Baumstämme schleppen, Baumwurzeln aus der Erde hacken, den Boden nivellieren und planieren, Zementsäcke schleppen, betonieren. Auch bei Minusgraden mussten sie in dünnen Sommerkleidern arbeiten, manche von ihnen hatten nicht einmal Schuhe. Je mehr wir darüber wissen, um so monströser erscheint uns heute, was Menschen Menschen antun können.

Als Klara Strompf vor Jahren nach Mörfelden-Walldorf zog, wusste sie zunächst nicht, was einst in ihrer direkten Nachbarschaft geschehen war. Und als sie vom KZ-Außenlager Walldorf erfuhr, war ihre spontane Reaktion: So schnell wie möglich fort von hier! Doch sie blieb, und nicht nur das. Bald erfuhr sie, dass die Stadt Mörfelden-Walldorf eine Ausstellung zur Geschichte des Lagers vorbereitete, bot sofort ihre Mitarbeit an und vermittelte zunächst den Kontakt zu Margit Horvath, einer der Überlebenden des KZ Außenlagers Walldorf. So entstand die Ausstellung mit Margit Horvaths Biografie im Zentrum, die viele Menschen berührte und insbesondere bei Oberstufenschülerinnen und -schülern den Wunsch nach eigenen Recherchen weckte.

Durch den Kontakt zu Margit Horvath hatte Klara Strompf eine große Tür geöffnet, die zu weiterer Beschäftigung mit der Geschichte des Lagers führte, uns immer neue Dimensionen dieses KZ-Außenlagers erfahren ließ, und sie hatte zugleich eine Tür geöffnet zu ihrem Wohnort, der ihr bis dahin fast unbekannt war. Sie nahm nun aktiv Kontakt zur deutschen Bevölkerung auf, obwohl ihr das aufgrund der eigenen Familiengeschichte zunächst nicht leicht fiel.

Doch bald arbeitete sie nun gemeinsam mit vielen Ortsansässigen unermüdlich daran, die Geschichte des Lagers aufzuklären und immer besser zu verstehen. Dies war für sie nicht einfach; denn mit den Biografien der KZ-Überlebenden rekapitulierte sie stets aufs Neue ihre eigene Familiengeschichte. Sie wollte wissen, doch dieses Wissen tat weh.

Trotzdem wollte sich nun nicht mehr von der deutschen Umgebung abgrenzen, denn schließlich wohnte sie nicht nur hier, sondern hatte sich nun vor Ort auch engagiert. Aber gerade wenn man sich nahekommt, wird immer wieder schmerzlich spürbar, dass nichtjüdische Deutsche und Juden trotz eines gemeinsamen Interesses und auf der Basis gegenseitiger Sympathie nicht einfach zusammenarbeiten können.

Klara Strompf zeigt jedoch, dass Distanzen abgebaut werden können, produktive Zusammenarbeit und sogar Freundschaften möglich sind. Sie reflektiert stets aufs Neue, sie ist ein positiv denkender Mensch, sie sucht den Dialog, sie hat unglaublich viel Energie, sie kann und will nicht vor Hindernissen stehen bleiben, sondern schafft es immer wieder, diese zu überwinden.

Mörfelden-Walldorf, im Marz 2009

 

 

Das Buch von Klara Strompf ergänzt unsere Bücher über jüdische Schicksale aus Ungarn, die von Erhard Roy Wiehn herausgegeben wurden:

David Guttmann, Schwierige Heimkehr - Leben und Leiden in Ungarn, dann auf der 'Exodus' und zurück über Bergen-Belsen nach Tel Aviv. Jüdische Schicksale 1944-1948.
1997, 128 Seiten, € 14,83. ISBN 3-89649-218-7

Klára Rajk, Den Kampfgeist nie verloren - Jüdische Schicksale in Ungarn 1910-1999.
2000, 74 Seiten, € 14,83. ISBN 3-89649-545-3

Pál Markovits, Stets bei Verstand sein – Kindheit, Jugend und Arbeitsdienst in Ungarn,

Zwangsarbeit und Flucht in Jugoslawien, Schutz bei den Tschetniks sowie Tierarzt bei den Partisanen und in der jugoslawischen Befreiungsarmee.
2006, 96 Seiten, 14,80 €. ISBN 3-86628-105-6

Anna Ornstein, Versklavung und Befreiung
Jüdische Schicksale aus Ungarn als zeitgemäße Pessachgeschichten.
2002, 102 Seiten, € 14,80. ISBN 3-89649-714-6

Schlomo Graber, Schlajme.
Von Ungarn durch Auschwitz-Birkenau, Fünfteichen und Görlitz nach Israel.
Jüdische Familiengeschichte 1859-2001.
2002, 141 Seiten, 22,00 €. ISBN 3-89649-757-X

Mordechai Henrik Gidron, Trotzdem weitergelebt.
Von Budapest durch das Ghetto Miskole, Auschwitz-Birkenau, Arbeitslager in München-Allach sowie Mettenheim-Mühldorf und ein neues Leben in Israel.
Mit Erinnerungen an die Familien Blum und Grünwald 1935-1990.
2005, 170 Seiten, 14,80 €. ISBN 3-86628-024-6

Agnes Weiss-Balazs, "Zusammen - Zusammen".
Von Nordsiebenbürgen durch Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück bis Neustadt-Glewe und Wittstock 1923-1945.
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
2005, 70 Seiten, 14,80 € . ISBN 3-86628-027-0

Helena Schvarcz-Horovitz,
Ein Hering für zwei Zigaretten.

Erinnerungen einer Holocaust-Überlebenden
an die Deportation der ungarischen Juden
nach Strasshof, an die Arbeitslager in Wien
und die Todesmärsche durch Österreich.

2006; 208 Seiten; € 24,80, CHF 39,80; ISBN 3-86628-079-3

 

Pál Markovits,
Aus meinem Forscherleben.
Nach Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg
von der Tiermedizin über Impfstoffe und Gewebezucht in Ungarn
zur Viren- und AIDS-Forschung
in Frankreich und den Vereinigten Staaten
1945-2007.

Aus dem Ungarischen von Judit Polgár und Lídia Gál.

Bearbeitet und Vorwort von Erhard Roy Wiehn.
2007, 138 Seiten. € 18,00. ISBN 3-86628-131-5

 

 

István Kádár, László Lindner, Bálint Papp, Miklós Perl, Gábor Sólyom, László Szauer, Ádám Szinger,

Zwangsarbeit, Todesmarsch, Massenmord


Erinnerungen überlebender ungarischer Zwangsarbeiter des Kupferbergwerks Bor in Jugoslawien 1943-1944.

Aus dem Ungarischen übersetzt von Lidia Gál und Viktória Pelcz.
Einleitung von Szabolcs Szita

Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn unter Mitarbeit von Klara Strompf.

2007. 182 S., € 14,80. ISBN 3-86628-129-3

 

Aus dem Vorwort von Erhard Roy Wiehn (Herausgeber)

   Über die Schoáh in Ungarn und Jugoslawien ist auch in deutscher Sprache einiges publiziert worden, über die Zwangsarbeit im Kupferbergwerk Bor in Jugoslawien jedoch kaum, und dazu zählen die von uns herausgegebenen Erinnerungen von Pál Markovits, Stets bei Verstand sein (Konstanz 2006), die eigentlich zur vorliegenden Sammlung gehören und zusammen das Bild der Zwangsarbeit im Lager Bor um so mehr verdeutlichen, ebenso die Schrecken des finalen Todesmarsches und des Massenmordes durch Erschießen. Das alles darf nicht "im Nebel der Vergangenheit verschwinden" (Szabolcs Szita in seiner profunden Einleitung). - Herzlich zu danken ist allen beteiligten Autoren dafür, daß sie diese wichtige Erinnerungsarbeit auf sich genommen haben.

 

 

Paul Jakov Hronec

Der Flüchtling

Nach schöner Kindheit in der Slowakei

Jahre dortiger Verfolgung, Überleben in Ungarn und Befreiung in der Slowakei

Jüdische Schicksale 1927-1945

1. Aufl. 2009, 142 Seiten. EUR 14,80.
ISBN 3-86628-274-5 und 978-3-86628-274-2

 

 

 

Gábor Hirsch

Als 14-jähriger durch Auschwitz-Birkenau

Aus dem ungarischen Békéscsaba  sieben Monate Konzentrationslager
überlebt und über Kattowitz, Czernowitz, Sluzk zurück 1944–1945.

Mit einer Dokumentation zum jüdischen Zensus in Békéscsaba  und
zu den Deportationszügen von Ungarn nach Auschwitz-Birkenau.
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
1. Aufl. 2011, 132 Seiten, viele Fotos und Dokumente
sowie eine Foto- und Dokumenten-CD. € 16,80. CHF 23,50.
ISBN 978-3-86628-383-1 & 3-86628-383-0

 

 

 

 

Gabriel Groszman

Als Junge in Ungarn überlebt

Nach jüdischer Kindheit in Vámosmikola

Monate des Terrors im Untergrund

und Emigration nach Argentinien

1870–1930–2011

2011. 236 Seiten, 19,80.
ISBN 978-3-86628-391-6 und 3-86628-391-1

 

 

 

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„Was aufgeschrieben, veröffentlicht und in einigen Bibliotheken der Welt aufgehoben ist, wird vielleicht nicht so schnell vergessen.“ (Erhard Roy Wiehn)

 

 

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