Hartung-Gorre
Verlag
Inh.: Dr. Renate Gorre D-78465 Konstanz Fon: +49 (0)7533 97227 Fax: +49 (0)7533 97228 www.hartung-gorre.de |
S |
Juli 2011

Hartung-Gorre
Verlag Konstanz
Konstanz
2011; 120 Seiten, EUR 14,80.
ISBN 978-3-86628-375-6
Aus
dem Vorwort von Sigrid Elmer:
Wer
dieses Buch aufschlägt, spürt: Gabriele Kromer liebt die Bildsprache. „Toben
proben“ ist eine einzigartige Sammlung von Gedichten und Graphiken über ein
Leben, in dem nicht immer nur heiterer Sonnenschein herrscht. Jeder von uns
kennt die Tage, an denen die Welt unterzugehen scheint. Während aber viele
Menschen versuchen, diese grauen Tage aus ihrem Kalender zu streichen, sie zu
verdrängen, sind es genau diese Momente, die Gabriele Kromer zutiefst berühren,
und die sie thematisiert. Sie malt nicht nur goldene Sonnen, sondern auch
schwarze, sie spricht vom Schatten, von der kleinen Träne, von der Einsamkeit
und von der Angst, die zum Freund wird. Mehr noch, Gabriele Kromer probt den
inneren Aufstand: Toben proben! Aber es gibt auch glückverheißende und heitere
Szenen in ihren Gedichten und Graphiken. Dann ist die Rede von der Hoffnung,
vom Glühwürmchen, vom Lichtblick und von der Liebe …
Genau
diese Gegensätze machen die Werke von Gabriele Kromer so spannend und
einzigartig. Denn sie lassen alle Gefühle zu, gute und böse, schöne und
traurige, hoffnungsvolle und niederschmetternde. Gabriele Kromer trifft damit
jeden einzelnen von uns, erspürt in ihren eigenen Sehnsüchten und Ängsten auch
unsere hellen und dunklen Seiten.
14.09.2011
Mit „Toben proben“ bringt Gabriele Kromer einen schillernden Band
mit Gedichten und Grafiken heraus
Schöne rote Blüten, runde und tulpenartig gezackte Blätter, dahinter viel
sattes Grün. Im linken unteren Bildrand ein schwarzgrau gestreiftes Vogelwesen
mit spitz zulaufendem Schnabel und weit aufgerissenem Auge, mit dem es, so
sieht es aus, genauso in die Welt hinaus wie in sich hinein schaut. „Toben
proben“ steht darunter – wie über dem gesamten Band von Gabriele Kromer mit
Gedichten und Grafiken aus den Jahren 2008 bis 2011.
Es ist eine zaghafte Probe, die hier zu beobachten ist, eher ein Stochern nach dem, was ist, und dem, was sein könnte. Die Grafiken der Konstanzer Künstlerin gehen in ihrer selbstauferlegten Beschränkung auf das Grundlegende und in ihrem Ringen um den kindlich unverstellten Blick auf die Welt und das Leben einher mit ihrer Lyrik. Wie ein Ausprobieren von Sprache, Gedanken und Formen kommen einem beide Kunstgattungen vor, die bei Gabriele Kromer eine geradezu kurzweilige Vielfalt von Stimmungslagen und Themen darbieten. Da sind immer wieder diese beschnäbelten Wesen zu sehen mit den zweidimensionalen Körpern: Phantasiegestalten hinter Gittergeflecht wie im „Traumballett“. Oder die „Stromsucher“, bizarr anzusehen mit ihren Stecker-Köpfen vor einer festungsähnlichen Häuserlandschaft.
Mal schauen, was darunter zum Vorschein kommt – die Dichterin Gabriele
Kromer klopft in ihrer Lyrik die Sprache auf tiefere Bedeutungsschichten ab.
Sie nimmt Worte ernst, bedauert ihren gedankenlosen und inflationären Gebrauch,
um sie spielerisch für ihre Erkenntniszwecke neu einzusetzen. Selbst die
melancholischen, düsteren bis todessehnsüchtigen Textzeilen zeugen noch von
großer Neugierde auf das Unerwartete, das Geheimnisvolle und Paradoxe wie etwa
in „Vergiss nicht zu vergessen“.
„Bedrohter Fisch im Regenwaldbett“ lautet der Titel eines Bildes, auf dem
Fische in einem grünen, rechteckigen Salatbett schwimmen, daneben Messer und
Gabel. Mit ihrer Lust auf Pointen hält die Grafikerin wie die Dichterin das
zuweilen Bedrückende ihres Sujets kunstvoll in der Schwebe. So gießt sie
schwergewichtige Motive wie Zeit, Angst, Tod und unser aller trickreicher
Umgang mit diesen Lebenskonstanten in schillernde zwar, aber auch umgängliche
Formen.
Dem Gedicht „Taschenlüge“, gewidmet der täglichen Maskerade für die anderen, ist eine Kromer-typische Grafik gegenübergestellt: eine dieser puppenhaften Frauen in grotesk modischem Outfit, in der Hand ein schickes Täschchen. Gabriele Kromer, die am 19. Oktober in der Buchhandlung Osiander in Konstanz aus dem Band lesen wird, fängt im Alltäglichen ein Stück vom ganzen Leben ein.
Maria Schorpp
http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Lustvolles-Ausprobieren;art372448,5108725
Der im Jahr 2008 erschienene
Gedichtband
Gabriele Kromer
Gedankenbriefe
Gedichte und Graphiken
aus zwei Jahrzehnten
Konstanz 2008. 108 Seiten, € 12,80. ISBN 3-86628-200-1
ist leider vergriffen, es bleiben die Bemerkungen
zu diesem Buch:
„Um es klar
und knapp auszudrücken, wie es Gabriele Kromer mit Wort und Zeichenstift tut:
Sie ist gut, verdammt gut! Wie sie mit wenigen Worten ein Erlebnis entwirft,
erinnert an japanische Gedichte („ist das nicht komisch“, „am zaun“ oder „mein
tagebuch“). Die Zeichnungen geben dem ‚weinen-hinter-lachen’ eine helle,
kindlich-verspielte Note wie viele Aquarelle von Paul Klee.“ E.W. Heine, Autor
von „Nur wer träumt ist frei“, „Das Halsband der Taube“ und der „Kille Kille
Geschichten“
Mühsam aufrechterhaltene Leichtigkeit
spreche aus den Gedichten der Gabriele Kromer. Das sagte Verlegerin Renate
Gorre, als sie in den in ihrem Verlag erschienenen Gedichtband „Gedankenbriefe“
einführte. Eine in sich zerrissene Aussage, die Gabriele Kromers Arbeit im Kern
trifft. Die besteht nicht nur aus der oft nur wenige Zeilen und Worte
umfassenden Lyrik. Die in Konstanz lebende Autorin zeichnet außerdem. So ist
die Gedichtsammlung grafisch durchsetzt von den wie von Kinderhand gemalten
Kleinbildern.
Mehrere Künste griffen ineinander bei der
Buchpräsentation und Lesung im Inselhotel. So ließ die Schauspielerin Maria
Falkenhagen die Zeilen vernehmen, die „von der trügerischen Leichtigkeit des
Lebens“ handeln – wieder eine Zuschreibung der Verlegerin. Sie tat das mit wohlklingender
Lesestimme, die die Offenheit der Kromer-Gedichte nicht einengt, sondern ihnen
ihre Möglichkeiten lässt. Manchmal blitzte die Schauspielerin in ihr auf.
Prosa-Texte, als atmosphärische
Korrespondenzen eingesetzt, tauchten die Zeilen der zeichnenden Lyrikerin in
ein manchmal bizarres, manchmal traurig-komisches Zwielicht. Und manchmal in
ein kafkaeskes. Franz Kafkas Albtraum-Geschichte, in der ein Geier auf die Füße
des Ich-Erzählers einhackt, um schließlich im Blut des Gepeinigten zu ertrinken,
lässt anklingen, was in den Gedichten nicht selten zum Thema wird: Dass
Erlösung nur im Untergang zu finden ist.
Gabriele Kromer kann unserer Welt und ihren
Spielregeln auch die komische Seite abgewinnen. Das kam bei der Lesung mehr
durch den Text von Jo Hanns Rösler über den genialen Verkäufer, der einem Mann,
der lediglich ein Taschentuch kaufen wollte und mit einer vollständigen
Outdoor-Ausrüstung nach Hause geht, zum Ausdruck.
Dem Galgenhumor als Überlebensstrategie
begegnet man im Gedichtband selbst, der Arbeiten aus zwei Jahrzehnten
zusammenträgt. Da werden Zeichnungen fast zu Cartoons. Etwa beim blöden Vogel
Archibald oder dem Bonsai-Schaf Gisela.
Das Leben als Albtraum, Clownerie und als
unwirtlicher Ort, wo die Menschen ihre Haut zu Markte tragen müssen. Wo man
Masken anlegt, um nicht in seiner Schwäche entdeckt zu werden. Heinrich Bölls
Geschichte von dem Mann, der sich als Lacher engagieren lässt, zuhause aber
keine Miene verzieht, war wieder so eine literarische Ergänzung. Als ob Kromers
Gedichte die Form lieferten, in die Geschichten gegossen werden.
Maria
Schorpp
http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/kultur-bodensee/art411638,3476447
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