Diana Schuster
Die Banater
Autorengruppe:
Selbstdarstellung und
Rezeption in Rumänien und Deutschland
1. Auflage 2004, 264 Seiten. € 49,80.
ISBN 3-89649-942-4
Namen wie Herta Müller (Nobelpreis 2009 für
Literatur), Richard Wagner, Rolf Bossert oder Werner Söllner sind in der
bundesdeutschen Literaturszene längst nicht mehr unbekannt. Was diese Autoren
verbindet und sie zur "Banater Autorengruppe" werden läßt, ist vor
allem ihr gemeinsamer "Habitus" (Pierre Bourdieu), ihr sehr ähnliches
Selbstbild, sowie ihre ähnliche Rezeption sowohl vor, als auch nach ihrer
Ausreise aus Rumänien.
Zieht man in Betracht, daß vor der Ausreise
der Autoren sowohl ihr Selbstbild als auch ihre Rezeption durch die
rumäniendeutsche Literaturkritik der Zensur und Selbstzensur unterlagen, und
dass die Wahrnehmung in Deutschland oft durch Unkenntnis der Hintergründe
dieser Literatur geprägt ist, was nicht nur zu einem fragmentarischen und
fehlerdurchsetzten Bild in der Rezeption, sondern teilweise auch zu einem konstruierten
Selbstbild führte, das diesen falschen Rezipientenerwartungen gerecht zu werden
versuchte, so ergibt sich die Notwendigkeit einer kritischen Gegenüberstellung
und Bewertung dieser sich gegenseitig bedingenden Selbst- und Fremdbilder.
Vorliegendes Buch, dessen wesentlicher
Bestandteil auch eine umfangreiche Bibliographierung der Rezensionen zu den
Büchern von Herta Müller, Richard Wagner, Rolf Bossert, Werner Söllner, Johann
Lippet und William Totok darstellt, setzt sich zum Ziel, ein Gesamtbild dieser
Entwicklungen zu liefern.
Nach der Erklärung der für diese
Untersuchung relevanten theoretischen Begriffe und der Definition des
Forschungsgegenstandes werden die Möglichkeiten der literarischen
Gruppenbildung in der rumäniendeutschen Literatur unter den sich wandelnden
Zensurbedingungen nach 1948 beleuchtet. Im Hauptteil geht es um die
Selbstdarstellung bzw. die Rezeption der Banater Autorengruppe vor und nach
ihrer Ausreise aus Rumänien. Dem biographischen Element Ausreise kommt somit
eine strukturierende Funktion zu, denn durch den Weltwechsel betreten die
Akteure der Banater Autorengruppe ein neues literarisches Feld, mit anderen,
ihnen noch wenig vertrauten Spielregeln, wobei zwischen den beiden
literarischen Feldern kaum Kontakte und Schnittpunkte bestehen, da auf der
einen Seite der westliche Literaturbetrieb die noch in Rumänien lebenden
Autoren meist ignoriert, und auf der anderen Seite in Rumänien die Erwähnung
der Ausgewanderten bis 1989 verboten war. Abschließend werden die Selbstbilder
und deren Wahrnehmung vor und nach dem Weltwechsel zueinander in Beziehung
gebracht und das angestrebte Gesamtbild dieser Autorengruppe gezeichnet.
Siehe auch Jassyer
Beiträge zur Germanistik
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