
Bronislaw
Erlich
Ein Überlebender berichtet.
Von Warschau durch das KZ Wołkowysk und nach Fluchtversuchen als
Zwangsarbeiter in Deutschland, dann von Polen nach Israel, Deutschland und in
die Schweiz.
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn.
2007, 110 Seiten, € 12,50 oder CHF 20,00.
ISBN 3-86628-141-2
Aus dem Vorwort
von Erhard Roy Wiehn (Herausgeber)
Bronislaw Erlich hat in der Tat ein
Dokument hinterlassen, das es in sich hat. Es beschreibt zunächst die ganz
normale kleine Welt einer mittelständischen jüdischen Schneiderfamilie mit vier
Kindern samt den Kindern der Nachbarschaft in Warschau, die sich einmal im Jahr
sogar Ferien leisten kann, wenn auch nur in der Nähe der Hauptstadt. Besonders
liebenswürdig geschildert erlebt man den Sederabend, den Beginn des
Pessachfestes im Frühling mit all seinem Zauber, das Fest zur Erinnerung an den
Auszug der Kinder Israels aus Ägypten. Nach guten Jahren in der Grundschule
beginnt der Ernst des Lebens mit einer Lehre der Chemigraphie, die mit
Lernbegier gemeistert wird.
Dann folgen der Alptraum des Kriegsbeginns in Warschau, des Überfalls
der deutschen Wehrmacht auf Polen, die Leiden unter deutscher Besatzung, der
Abschied von der Familie und die Flucht in den sowjetisch besetzten Osten
Polens, um nach dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion nach dem 22. Juni
1941 auch dort wieder unter deutsche Besatzung und nach gescheiterten
Fluchtversuchen ins KZ von Wołkowysk und in eine dortige Arbeitskolonne zu
geraten, die unter Aufsicht der Besatzer verlassene jüdische Wohnungen filzt.
Nach einem abermaligen erfolglosen Fluchtversucht entwickelt sich mit einer
gefälschten Geburtsurkunde tatsächlich nach und nach ein Ausweg, der
todsicheren Vernichtung zu entgehen.
Nach Białystok kommt die Wende in der Ortschaft Zaścianki, wo
Bronislaw als Knecht bei einem Bauern Arbeit und Zuflucht findet und wo sich
das dann doch plötzlich drohende Unheil als unerwartete Überlebenschance
erweist: Anstelle eines ehemaligen polnischen Kriegsgefangenen, der in der
deutschen Landwirtschaft bereits Zwangsarbeit verrichtet, auf Urlaub zu Hause
aber nicht mehr zurückkehren will, wird nun Bronislaw nach Deutschland
geschickt und gelangt nach letzten gefährlichen Kontrollen, die ihn beinahe als
Juden enttarnt hätten, auf einem Bauernhof zunächst in Illeben, dann im
benachbarten Reichenbach in Thüringen, wo er sogar einem lebensgefährlichen
Konflikt mit seinem Bauern übersteht, um schließlich durch die US Army endlich
befreit zu werden.
Bald arbeitet er in der Küche einer US MP-Einheit in Langensalza, findet
Freunde in einem DP-Lager in Gotha, erlebt das zerstörte Nürnberg, arbeitet
eine Weile als Dolmetscher bei einer Pioniereinheit der Roten Armee in Weimar,
lernt dann durch Liebe auf den ersten Blick seine künftige Frau Anna kennen,
geht mit ihr nach Polen zurück, besucht die Trümmerwüste des jüdischen
Warschau, wo von seinem Geburts- und Elterhaus kein Stein auf dem anderen und
von seinen Eltern und seinem Bruder kein Spur geblieben ist. Bronislaw findet
in Wrocław (Breslau) Arbeit in seinem Beruf und eine kleine Wohnung, vor
allem aber trifft er hier seinen ältern Bruder wieder, der in der Roten Armee
gekämpft und seine Schwester, die ebenfalls überlebt hatte.
Nach und nach werden zwei Kinder geboren, 1958 zieht die Familie nach Israel,
kommt 1960 nach Deutschland und 1961 in die Schweiz, wo sich Bronislaw Erlich
beruflich sehr erfolgreich entwickeln kann, weit über das normale Pensionsalter
hinaus beruflich aktiv bleibt und schließlich seine Erinnerungen aufschreibt,
um Zeugnis abzulegen, ein Zeugnis, das es in sich hat: Es ist einmal mehr ein
Zeugnis der deutschen Barbarei in Polen und der Sowjetunion, des Lebens und
Leidens der Juden im deutschbesetzten Europa, aber auch eines unglaublichen
Lebensinstinktes und Überlebenswillens eines ganz jungen Mannes damals, nicht
zuletzt ein Dokument von glücklichen "Zufällen" und einem alles in
allem guten Ende, das jedoch nichts an dem bleibenden Schmerz des Verlustes der
Familie ändert.
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Bücher über jüdische Überlebensschicksale aus Polen,
herausgegeben von by Erhard Roy Wiehn:
Leah Shinar, Wie ein Becher Tränen - Jüdische
Familiengeschichten aus Krakau.
Leben und Leiden in Polen 1939-1945.
1999, 124 Seiten, € 14,32. ISBN 3-89649-388-4
Jehuda L. Stein, Die Steins - Jüdische
Familiengeschichte aus Krakau
1830-1999.
1999, 148 Seiten, 16,36 €. ISBN 3-89649-417-1
Erhard Roy Wiehn, Ghetto Warschau -
Aufstand und Vernichtung 1943 fünfzig Jahre danach zum Gedenken.
1993, 300 Seiten, 24,54 €. ISBN 3-89191-626-4
Josef Goldkorn, Im Kampf ums Überleben - Jüdische
Schicksale in Polen 1939-1945.
1996, 180 Seiten, € 15,24. ISBN 3-89649-005-2
Joachim Kalter, Eine jüdische Odyssee/A Jewish Odyssey
-
Von Leipzig nach Polen abgeschoben und deutsche Lager überlebt.
Ein
Bericht/Deportation from Leipzig to Poland and Survival in German Camps.
A Report 1938-1946. Vorwort von/Preface by
Edgar Hilsenrath. (Deutsch u. englisch).
1997, 142 Seiten, € 16,36. ISBN 3-89649-161-X
Erhard Roy Wiehn (Hg.), Totengebet
60 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Schoáh in Polen.
1999, 79 Seiten, 14,32 €. ISBN 3-89649-415-5
Nina Klein, Die polnische Erinnerung an Auschwitz.
Am Beispiel des staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau. Vorwort von Aleida
Assmann.
1999, 130 Seiten, 15,24 €. ISBN 3-89649-409-0
Jeanne Levy-Rosenberg,
Durch die Hölle - Von Holland durch
Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück, Malchow, Taucha, zurück und nach Israel
1944-1949.
2000, 158 Seiten, € 17, 38. ISBN 3-89649-410-4
Inka Wajsbort, Im Angesicht des Todes -
Von Chorzów über Zawiercie, Tarnowitz, Tschenstochau durch Auschwitz nach
Malchow und Oschatz. Jüdische Schicksale in Oberschlesien 1939-1945.
2000, 236 Seiten, € 20,45. ISBN 3-89649-513-5
Nava Ruda, Zum ewigen Andenken -
Erinnerungen eines Mädchens aus dem Ghetto Lwow [Lemberg/Lviv].
Jüdische Familiengeschichte 1899-1999. Aus dem Hebräischen von Avri Salamon.
2000, 66 Seiten, € 12,68. ISBN 3-89649-526-7
Brigitte Pimpl, Zu sayn a Mentsch -
Mensch sein. Die Geschichte einer Frau.
2000, 78 Seiten, € 9,20. ISBN 3-89191-253-5
Friederike Mager-Beck, Die vierte Träne.
2002, 212 Seiten, € 12,00. ISBN 3-89649-762-6 (herausgegeben von Dr. Kurt
Tohermes)
Jerzy Czarnecki,
Mein Leben als "Arier"
Jüdische Familiengeschichte in Polen zur Zeit der
Schoáh
und als Zwangsarbeiter in Deutschland.
2002, 99 S., 14,80 €. ISBN: 3-89649-815-0
Wladyslaw Bartoszewski,
Die deutsch-polnischen Beziehungen -
gestern, heute und morgen.
2002, 27 Seiten, 9,80 €. ISBN 3-89649-818-5
(Konstanzer Schriften zur Sozialwissenschaft Nr. 61)
Anna Cwiakowska, Verstecken vor dem Tod -
Retter und Rettung jüdischen Lebens in Polen.
2003, 70
Seiten, € 7,50. ISBN 3-89649-845-2
Jerzy Czarnecki
From Velyki Mosty through
Zhovkva to Stralsund.
1st
Edition 2007, 192 pages, many colored
reproductions.
€
14,80. ISBN 3-89649-998-X
Zwi Helmut Steinitz
Als Junge durch die Hölle des Holocaust
Von Posen durch Warschau, das
Krakauer Ghetto, Płaszow,
Auschwitz, Buchenwald, Berlin-Haselhorst, Sachsenhausen bis Schwerin und über
Lübeck, Neustadt, Bergen-Belsen, Antwerpen nach Erez Israel 1927-1946.
(mit zahlreichen Fotos aus dem ehemaligen Krakauer Ghetto heute
sowie von der jüngsten Lesetätigkeit des Autors in Deutschland)
1. Aufl. 2006, 2. durchgesehene und erweiterte Auflage
2008,
455 Seiten. € 24,80.ISBN-10
3-86628-075-0 ISBN-13: 978-3-86628-075-5
Konrad Görg
Wir sind, was wir erinnern.
Zwei
Generationen nach Auschwitz.
Stimmen gegen das Vergessen.
In Erinnerung an Erwin Katz
Vorwort von Erhard Roy Wiehn
1. Aufl. 2008, 98 Seiten. € 9,95. ISBN 3-86628-208-7
Jehuda
L. Stein
Juden
in Krakau.
Ein historischer Überblick 1173 -1939
2. Auflage 2008, 132 Seiten, € 14,80
ISBN 3-89649-201-2
Jehuda L. Stein,
Jüdische
Ärzte und
das jüdische Gesundheitswesen
in Krakau
Vom 15. Jahrhundert bis zur Schoáh
Vorwort von
Georg Eisner
2006, 60 Seiten. € 9,80, ISBN
3-86628-046-7
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